Planlos nach Frankreich

Wir sind wieder unterwegs. Richtung Süden. Planlos. In diesem Fall heißt planlos aber nicht „ohne Plan“, sondern konkret: Wir fahren zum Plansee, danach durchs Namlostal, kurven über das Hahntenjoch, bis wir nach Nauders kommen, wo wir übernachten.
Abends in der Gaststätte genießen wir die österreichischen Spezialitäten, als aus dem Nachbarraum ein lauter Jubel ertönt, dass mir fast die Gabel in mein Rösti gefallen wäre: Tor für Deutschland. Wir hatten beinahe vergessen, dass die Fußball-EM läuft. Wir checken immer wieder verstohlen unsere Smartphones, am Ende steht es 4:2 für Deutschland und wir schlendern zufrieden zur Pension zurück.

Am nächsten Tag stehen das Stilfser Joch und der Umbrailpass auf dem Programm. Puh, so anstrengend hatte ich die winzigen Spitzkehren vom Stelvio gar nicht in Erinnerung: ich kämpfe ganz schön, dafür gibt es oben erst einmal Cappuccino und einen tollen Blick zurück auf dem Pass. Bergab biegen wir nach ein paar Kurven auf den Umbrailpass in Richtung Schweiz ab. Entspannte Kehren, guter Asphalt, wenig Verkehr, dazu geniale Aussicht auf die Schweizer Berge. Was wollen wir mehr?

Passo Stelvio
Passo Stelvio

Im Tobleroneland

Am Nachmittag checken wir in Chur in einem Hotel in der Fußgängerzone ein – und finden Toblerone auf dem Kopfkissen. Ich muss lachen, hatte ich doch nachmittags Wolfgang über unser Headset erklärt, wie sehr mich die steilen Schweizer Berge an Toblerone erinnern. Später nehmen wir die Seilbahn zum Brambrüesch hoch, um von oben den Blick zu genießen; auf dem Weg abwärts staunen wir, mit welcher Geschwindigkeit Downhill-Radler durch die Kurven und über Sprungschanzen flitzen. Kein Wunder, dass ihre Sturzhelme ähnlich stabil aussehen wie unsere.

Unsere Tour führt uns am nächsten Morgen durch das wunderschöne Vorderrhein-Tal, genauer gesagt durch den Naturpark Beverin: eine winzige Straße, gesäumt von hohen Bäumen und einem kolossalen Ausblick in die schroffe Schlucht.
Besonders der östliche Teil der Schweiz begeistert uns mit seinen steinigen Bergen und den Alpenwiesen, deren Duft bis in unsere Motorradhelme zieht. Ich merke, wie mir dieses Unterwegs-Sein in den letzten Monaten gefehlt hat.

Naturpark Beverin
Naturpark Beverin

Später landen wir bei Dylan und Martina in ihrer Werkstatt. Trotz ihrer Arbeitslast in der jungen Firma für den Ausbau von Campervans, haben sie es sich nicht nehmen lassen, uns mit genialem Curry und frischen Erdbeeren zu bewirten. Wir plaudern über alles mögliche, und Martina, Dylan und Wolfgang lassen die Erinnerung an ihre gemeinsame Sri-Lanka-Reise wieder aufleben. Obwohl wir wegen des Regens irgendwann nach drinnen umziehen, genießen wir den Abend sehr.
Falls eure Leseliste leer ist oder ihr Geschenktipps braucht, schaut doch mal bei ihnen im Shop vorbei: Dylans Reiseerlebnisse mit seinem Floß über den Darien Gap „Am Ende der Straße“ oder die Gedanken zum „Einfach Leben“ sind absolut lesenswert!

Personengruppe
Wir mit Dylan & Martina

Entspannte erste Tage in Frankreich

Am nächsten Tag stehen wir früh auf, weil um neun Uhr morgens die 72-Stunden-Gültigkeitsdauer unseres Coronatests abläuft und wir bis dahin die französische Grenze passiert haben wollen. Wir fahren zwei anstrengende Stunden durch den strömenden Regen, immer mit Blick auf der Uhr, nur um dann pünktlich, aber völlig unbehelligt die Grenze zu passieren.
Praktisch mit Grenzübertritt hört es auf zu regnen und die Sonne scheint.
Dieser Teil von Frankreich erinnert uns an das bayerische Voralpenland, nur weniger besiedelt. Wir genießen das entspannte Cruisen.
Da für die nächsten Tage Regen angekündigt ist, buchen wir drei Nächte in Pesmes in der Nähe von Dijon, in einem kleinen Studio direkt am Fluss.

Frühstück am Fluss
Frühstück am Fluss

Die Unterkunft von Helène ist der perfekte Einstieg für unseren Frankreich-Aufenthalt: Aus dem 18. Jahrhundert, schön renoviert und liebevoll eingerichtet. Direkt vor der Tür des Studios fließt die L’Ognon, schon beim Frühstück beobachten wir Schwäne, Libellen, Fische und Schwalben. Besonders die Schwalben bringen uns zum Lächeln, sie pfeifen durch die Luft, fliegen abwärts zum Wasser, tupfen kurz auf und fliegen weiter. Es sieht ein bisschen aus, als würde man Kieselsteine übers Wasser flitschen lassen. Wir rätseln, ob sie trinken oder fressen.

Helène bringt uns am ersten Morgen einen Frühstückskorb vorbei: Baguette, Croissants, selbstgemachte Marmelade, Käse und Obst. Wir sind begeistert. Am Nachmittag dürfen wir uns ihr Kajak ausleihen: wegen der starken Strömung des Flusses wird es nur eine kleine Tour auf dem Ognon. Dafür gehen wir im Anschluss noch baden, denn das Wasser ist um ein Vielfaches wärmer als vor zwei Monaten in Griechenland.

Kajakfahren
Kajakfahren

Fast schade, dass wir morgen wieder aufbrechen, aber die Aussicht auf die 16 Pässe der Route des Grandes Alpes lässt unsere Bikerherzen schon schneller schlagen.

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