Ganz weit weg von daheim – auf dem Dach der Welt. In Tadschikistan.

Ein Zeitsprung – Tag 150 der Reise und Land Nummer 22.

Es ist viel passiert, seit wir Armenien hinter uns gelassen haben.

Wir sind durch Aserbaidschan gefahren und haben uns mit korrupten Polizisten angelegt, wir haben tagelang auf die Fähre ohne Fahrplan gewartet und dort andere supernette Weltreisende getroffen, wir haben uns durch viele hunderte Kilometer Geradeausstrecke in der glühenden Sonne Kasachstans und Usbekistans gekämpft und am Ende haben wir diverse Grenzübergänge unbeschadet und überraschend einfach überstanden.

Wir sind im Pamir angekommen und fahren die Strecke durchs Wakhan Valley, also den südlichen Abschnitt, der sich an der Grenze zu Afghanistan entlangschlängelt.

Der Pamir ist ein Teil von Tadschikistan in Zentralasien, eines der ärmsten und abgeschiedensten Gebiete, die wir bislang kennengelernt haben. UND WUNDERSCHÖN! Das ist schon ein spannender Kontrast. In Khorog haben wir noch ein Doppelzimmer mit Bad und gehen nachmittags Cappuchino trinken, am Abend danach ersetzt das Gazprom-Fass die Dusche. Immerhin warm und der Tisch ist reich gedeckt.

Und wir genießen die Aprikosenbäume, die zu dieser Jahreszeit übervoll hängen mit reifen duftenden Früchten. Die Tochter des Hauses spricht Englisch, daher können wir uns mit den Besitzern unterhalten – wir erfahren viel über die Bewohner, Schulpflicht und das Leben auf dem Pamir im Winter.

Am nächsten Tag wird die Straße zur Herausforderung: eine ständig wechselnde Mischung aus weichem tiefem Schotter, Waschbrettpiste und sandigen Abschnitten. Im Einzelnen nicht mal sonderlich schwer zu fahren, aber es erfordert ständige Konzentration und ist am Ende einfach nur anstrengend. Dabei würden wir so gerne die Landschaft genießen. Entsprechend viele Pausen machen wir.

Wir fahren direkt am Fluss Pansch entlang, auf der anderen Seite liegt Afghanistan. Wir sehen Dörfer, Oasen, Autos, Eselskarren, viele Menschen. Aber anders als hier grüßt niemand. Der Fluss ist breit und reißend, die Farbe wie flüssiger Zement. Hier überquert bestimmt niemand die Grenze so einfach. Dennoch begegnen wir vielen Grenzpatrouillen, immer vier Soldaten auf einmal, die vollbewaffnet die Straßen entlangwandern. Unabhängig davon genießen wir den Anblick der Landschaft sehr. Meist karg und trocken, ein bisschen Mondlandschaft, aber sobald ein Seitenfluss Wasser bietet, wird die Gegend zur Oase: leuchtend grün, sanft, mit Obstbäumen und Gemüsebeeten durchsetzt. Einfach nur schön. Und es macht uns mal wieder deutlich, wie wichtig Wasser ist, das vergessen wir Westeuropäer nur allzu leicht.

Besonders beeindruckend für uns sind die hohen schneebedeckten Berge auf der afghanischen Seite. Wir haben fast die ganze Zeit die Fünf- und Sechstausender des Hindukusch im Blick: schneebedeckt und majestätisch. Wir können uns gar nicht satt sehen.

Mittlerweile befinden wir uns auf 3800 Metern Höhe und suchen uns einen Platz zum Schlafen. Neben einem kleinen Fluss bauen wir unser Zelt auf, zusammen mit Rüdiger und Kerstin, die wir in Khorog getroffen haben, und Oliver und Dominique, die wir schon seit der Fähre übers Kaspische Meer regelmäßig wiedersehen. Ein lustiger Abend, der aber bald endet, auf dieser Höhe wird es sehr schnell empfindlich kalt.

Am nächsten Tag geht die Stecke ähnlich weiter, bis wir mittags am Kharguschpass ankommen. Dort verläuft die Strecke zwar über 4000 Metern, wird aber etwas einfacher, so dass wir unkonzentrierter werden. Und so kommt es, wie es kommen muss: ich schalte bei einem etwas steileren Stück das ABS aus, um nicht zu rutschen, blockiere prompt das Vorderrad und stürze. Zum Glück hatten wir uns für die Reise für Softgepäck entschieden so dass außer ein paar blauen Flecken von den Fußrasten und einem geprellten Knöchel nicht viel zurückbleibt. Außer vielleicht der Erkenntnis, dass ein ABS mehr kann als ich und es in Zukunft nicht so schnell abgeschaltet wird.

Soviel für heute vom Pamir – die Geschichte geht zu einem späteren Zeitpunkt weiter. Versprochen!

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4 Gedanken zu „Ganz weit weg von daheim – auf dem Dach der Welt. In Tadschikistan.

  • 23. August 2019 um 6:51
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    Hi Daniela,
    da bist Du nicht die erste, die künftig auch auf Naturstraßen das ABS aktiv lässt – ich hab’s mal in Hechlingen ausgeschaltet und bin dann vom Platz gehumpelt …
    Und nicht umsonst ist es bei der Africa Twin nur am Hinterrad ausschaltbar.
    Euch beiden weiterhin eine gute Fahrt durch die „—stan-Staaten“ – nächster Halt Baikalsee?
    VG Wolfgang

    Antwort
    • 23. August 2019 um 14:28
      Permalink

      Hi Wolfgang.
      Jepp, Lernen durch Aua, wie René (stlocke) zu sagen pflegt. 🙂
      Nächster Halt ist eher Issykköl, wir sind ja noch in Kirgistan. 🙂
      Sehr schön hier, aber auch anstrengend, weil konstant Schotter.
      LG, Daniela

      Antwort
  • 25. August 2019 um 19:41
    Permalink

    Aloha, Ihr Zwei!
    …gut, dass Daniela beim Plumpser nichts passiert ist.
    So langsam wird eure Reise doch zum Abenteuer – korrupte Polizisten, Tadschikistan, Grenzregion zu Afghanistan…
    Als freundesweit anerkanntes Weichei, muss ich zugeben, dass mir dort etwas unwohl wäre.
    Weiterhin viel Spass und Glück
    M&M

    Antwort
    • 26. August 2019 um 11:43
      Permalink

      Hallo Ihr zwei,
      Ja, langsam wird es tatsächlich Abenteuer. Es kommt gerade wieder die Kälte hinzu. Gestern Nacht waren wir im Jurtencamp, toller Holzofen, aber gegen eins haben wir die Schlafsäcke ausgepackt. So viel zum Thema Weicheier. 🙂
      Liebe Grüße,
      Daniela

      Antwort

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