Von Wracks, Kondoren und Pinguinen

Endlich sind wir in Puerto Natales angekommen. Nach 44 Stunden ist auch der bequemste Großraum-Pullmannsitz nicht mehr gemütlich. Trotzdem haben wir die Fährfahrt sehr genossen.
Wir sind frühzeitig in Cochrane aufgebrochen. Unsere Strategie, vor allen anderen unterwegs zu sein und damit das meiste Eingestaubt-Werden zu umgehen, ging auf: Auf leeren Straßen waren wir entspannt unterwegs, auch meine Schotter-Flüche hielten sich in Grenzen.
Am Hafen Caleta Yungay angekommen haben wir uns erst mal einen Kaffee im einzigen Kiosk organisiert, dann hieß es warten. Immer mehr Autos und Motorradfahrer kamen, auch ein paar Radfahrer waren dabei. Zum Teil kannten wir uns schon aus der Warteschlange für den PCR-Test in Cochrane. Das Boarding verlief problemlos, unsere Motorräder gehörten zu den ersten, die auf die Fähre fuhren und einen Platz im einzigen Container bekamen. Guter Schutz vor Regen und Salzwasser, allerdings war der Absatz beim Reinfahren fast 20 Zentimeter hoch, so dass ich diese Aktion lieber Wolfgang mit seinen langen Beinen überlassen habe.

Motorrad
Hinein in den Schiffscontainer


Die meiste Zeit verbringen wir damit, Hörbücher zu hören, zu lesen und aus den großen Fenstern zu schauen, wenn wir nicht gerade eine der drei Mahlzeiten verspeisen, die pro Tag im Fahrpreis inkludiert und recht gut sind. Die 500 Kilometer auf dem Wasser sind abwechslungsreich. Draußen ist es windig und kalt, die Landschaft ist sehenswert: blaue Fjorde, schneebedeckte Berge, viel Grün, keine einzige Straße. Nicht mal in Puerto Eden, dem einzigen Ort zwischendurch. Die Menschen hier werden ausschließlich per Schiff versorgt. Wir tuckern gemächlich durch die patagonischen Fjorde, einmal sehen wir sogar ein Schiffswrack, das von Möwen und Seehunden umringt wird. Der Kapitän nimmt sich die Zeit, es einmal komplett zu umrunden. Von weitem verschwand das Wrack fast im Nebel, von nahem können wir die rostigen Schornsteine und das moosbewachsene Deck betrachten. Später schwimmt ein Delfin dicht an unserem Schiff vorbei.
Als wir in Puerto Natales ankommen, freuen wir uns trotz der entspannten Zeit an Bord auf die Privatsphäre unseres Doppelzimmers im Hostel und auf ein Badezimmer nur für uns allein.

Schiffswrack
Schiffswrack im Nebel

Im Nationalpark Torres del Paine

Puerto Natales ist ein hübsches, kleines Städtchen im Süden Patagoniens, in dem sich vor allem junge Trekker für einen Besuch im Nationalpark Torres del Paine aufhalten. Entsprechend viele Pizzerien und Cafés gibt es. Wir bummeln durch die Straßen, bewundern die zahlreichen Kunst-Installationen und den Blick auf den Ultima-Esperanza-Fjord, den Fjord der letzten Hoffnung. Ursprünglich als Ort der Schafzüchter gegründet, ist Tourismus mittlerweile die Haupteinnahmequelle der Stadt.

Wandmalerei
Wandmalerei – ein Motiv der Ureinwohner Feuerlands

Wir machen uns auf Richtung Nationalpark. Schon auf dem Weg dorthin geraten wir in eine Rinderherde, die von Gauchos die Straße entlang getrieben wird. Etwas später arbeiten wir uns durch eine Schafherde und kurz vor dem offiziellen Eingang begegnen wir einer Herde Guanakos, einer Art Ur-Lama, die ebenfalls mitten auf der Straße steht und sich keinen Deut um den Verkehr schert. Die Tiere wissen, dass von Menschen keine Gefahr für sie ausgeht, von den wildlebenden Pumas im Park allerdings schon. Mehrfach sehen wir Guanako-Kadaver am Straßenrand.
Stück für Stück arbeiten wir uns ins Innere des Nationalparks vor. Drinnen gibt es ein riesiges Felsmassiv, das von zwei Seiten aus betrachtet werden kann: Von Süden aus sieht man „cuernos“ (Hörnchen), von Osten aus „torres“ (Türme). Drumherum viele tiefblaue Seen und ein paar Gletscher: Ihr erinnert euch? Der im letzten Blogartikel erwähnte „campo de hielo patagonico sur“, das südliche Eisfeld, kalbt im Torres del Paine.

Bergpanorama
Was für ein Panorama…

El condor pasa

Wiederholt halten wir an, so viel gibt es zu sehen. Die cascada del rio paine, den Wasserfall mit den torres dahinter. Den salto grande, den großen Wasserfall mit Blick auf die cuernos. Gefühlt stoppen wir an jedem Aussichtspunkt. Immer wieder ändert sich die Perspektive, sehen die Berge anders aus. Meist sind die miradores, die Aussichtspunkte, direkt an der Straße, einmal laufen wir mehrere Stunden in der brütenden Mittagshitze, nur um etwas näher ans Bergmassiv heranzukommen.
Mit Abstand am stärksten haben uns aber die Kondore begeistert. Immer wieder schweben diese Riesentiere über uns hinweg. Sie nutzen die Thermik und brauchen kaum Flügelschläge, um weite Strecken zu gleiten. Mit einer Spannweite von mehr als drei Metern gehört der Anden-Kondor zu den größten Vögeln der Welt.

Kondor
El condor pasa

Das Lächeln der Pinguine

Wir reisen weiter Richtung Süden, nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles. Anders als das charmante, kleine Puerto Natales ist Punta Arenas eine unattraktive Industriestadt ohne nennenswerte touristische Infrastruktur. Einzig die Lage macht es reizvoll. Unser Highlight ist eine Tagestour zur Isla Magdalena, die uns bereits in Santiago mehrmals ans Herz gelegt wurde.
Die nicht mal einen Quadratkilometer große Insel gehört fast vollständig den Magellan-Pinguinen, Kormoranen und Möwen. Besucher dürfen sich nur auf einem schmalen, mit Seilen abgetrennten Pfad bewegen. Das ist aber keine echte Einschränkung, da die Pinguine überhaupt nicht scheu sind, im Gegenteil. Sie graben ihre Bruthöhlen überall, auch direkt neben dem Pfad, laufen quer über den Weg und gucken die Besucher vorwitzig an. Wir haben Glück, die Jungtiere sind ungefähr zwei Wochen alt und haben ihre Höhlen bereits verlassen. Viele stehen draußen, neben ihren Eltern. Diese wiederum beobachten vor allem die Raubmöwen, immer bereit, ihre Kleinen gegen die scharfen Vogelschnäbel zu verteidigen.
Am lustigsten ist es, wenn die Pinguineltern mal wieder anfangen, aus vollem Halse zu schreien und das Küken mit unbewegtem Gesicht daneben steht. Wir können förmlich die Sprechblase über seinem Kopf erkennen, die sagt: „Oh Mann, sind Eltern peinlich“.

pinguine
Pinguine auf der Isla Magdalena

Wir dagegen sind mal wieder hellauf begeistert und können gar nicht genug bekommen.
Magellan-Pinguine sehen einfach immer aus, als würden sie lächeln. Und wir lächeln mit.

Magellanpinguine
Magellan-Pinguine

Spannend ist die nachträgliche Recherche zur Isla Magdalena. Wikipedia schreibt: „Forscher haben in Vergleichen mit den Pinguinen auf den Falklandinseln, wo die kommerzielle Fischerei erlaubt ist festgestellt, dass die Tiere auf der Isla Magdalena deutlich vitaler sind, mehr Junge bekommen und dass die Gesamtpopulation der Insel stetig anwächst“.

Das Thema Pinguine ist eine gute Überleitung zu unseren weiteren Plänen: wir werden in den nächsten Tagen eine Kreuzfahrt beginnen und hoffentlich mehr Pinguine sehen: auf den Falklandinseln, in Südgeorgien und in der Antarktis.
Wir können es kaum erwarten.

Mehr Fotos findest du – wie immer – in unserer kontinuierlich wachsenden Bildergalerie Chile.

Hier zur Übersicht noch mal all unsere Artikel über Chile:

2 Gedanken zu „Von Wracks, Kondoren und Pinguinen

  • Hallo,
    Ihr habt einen tollen Bog auf die Beine gestellt
    Es macht Spaß euch zu folgen und freuen uns über die tollen Berichte und Bilder.
    Grüße Brigitte

    Antwort
    • Hallo Brigitte,
      ganz vielen Dank für das Kompliment, freut mich, dass dir der Blog gefällt.
      Aktuell kämpfe ich auf dem Schiff ganz schön mit Seekrankheit, hoffe aber, dass diese Durststrecke mit tollen Eisbergen und Pinguinen belohnt wird.

      Liebe Grüße
      Daniela

      Antwort

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