Der Süden Norwegens – faszinierende Landschaften

Wir sind jetzt schon seit zwei Wochen in Norwegen und es wird Zeit, Euch mitzunehmen.
Norwegen hat eine der faszinierendsten Landschaften, die wir auf unserer Reise bislang gesehen haben.

Unsere Ankunft

Wir sind mit der Fähre aus Dänemark angekommen, die Strecke Hirtshals-Kristiansand hat nicht mal drei Stunden gedauert. Alles lief absolut unproblematisch: Das Einchecken auf der Fähre, das Befestigen der Motorräder (ausreichend Zurrgurte an Bord vorhanden), die Zeit an Deck mit dem ungewohnten Ausblick aufs Meer und nicht zuletzt die Einreise: wir wurden einfach durchgewunken. Und dann waren wir da. In Norwegen. Auf das wir während unserer corona-bedingten Pause gewartet und gehofft hatten. Und Wow, die Landschaft hat gleich mal alle Register gezogen.

Lindesnes. Nur noch 2518 Kilometer zum Nordkap

Wir hatten uns für die erste Übernachtung einen Campingplatz in der Nähe von Lindesnes ausgesucht. Der Leuchtturm dort wird auch als Südkap Norwegens bezeichnet, also wollen wir die Strecke vom Südkap zum Nordkap fahren. Wir vermeiden die große E39 und lassen Calimoto, unsere Navigations-App eine schöne kleine Straße ausfindig machen. Und schon die kleine Straße lässt uns mit offenem Mund um die Kurven fliegen: die norwegische Landschaft ist umwerfend: voller Seen, kleiner Flüsse, roten Häuschen, felsiger Inselchen, nur mit ein paar Birken bewachsen. Wir fühlen uns wie in einer Astrid-Lindgren-Landschaft, wohl wissend, dass sie aus Schweden stammt und nicht aus Norwegen.

Als wir am Campingplatz ankommen schweben wir auf Wolke sieben, um dann unsanft in eine nasse und schlammige Ecke gedrängt zu werden: der Platz ist für Wohnmobile optimiert und Zelte sind vernachlässigte Exoten. Wir überlegen kurz, ob wir weiterfahren, aber der Leuchtturm reizt uns zu sehr, und nach dem Abendessen sind wir auch schon wieder entspannt und es geht Richtung Südspitze der Halbinsel.

Wir kommen gegen halb neun am Parkplatz Lindesnes an, der Ticketschalter ist schon geschlossen (was uns pro Person ca. 10 Euro spart), der Weg zum Leuchtturm ist aber frei. Und der Platz ist umwerfend. Der Leuchtturm ist der älteste und südlichste Turm des norwegischen Festlands. Erstmals 1656 errichtet, zuletzt 1915 erneuert. Was uns besonders beeindruckt, ist der Blick: vom Felsen, auf dem der Turm erbaut wurde, hat man einen weiten Blick über das Meer und es ist kein Wunder, dass sich neben uns noch ein Dutzend andere Menschen tummeln, die den Sonnenuntergang genießen.

Und wir haben nur noch 2518 Kilometer bis zum Nordkap.

Lindesnes Südkap
Lindesnes Südkap

Lysefjord. Absolut faszinierendes Naturerlebnis

Am nächsten Morgen verlassen wir unseren Schlammplatz und fahren Richtung Lysefjord. Dachten wir gestern schon, es könne nicht schöner werden, so werden wir heute eines Besseren belehrt: Die Hochebene vor dem Lysefjord gehört zu den schönsten Straßen, die wir bislang gesehen haben. Dabei ist sie gar nicht leicht zu beschreiben, ohne dass es kitschig wird: nach mehreren Wochen Regen feucht und etwas neblig. Viele kleine Seen in grauer Felslandschaft. Weiches Nachmittagslicht. Viel Moos. Grüne und gelbe Flechten. Und alles wirkt leicht mystisch, es hätte mich nicht gewundert, wenn ein Einhorn über die Straße getrottet wäre. Wir sind hin und weg.

Und wir haben noch Glück. Normalerweise ist Norwegen in den Sommermonaten fest in der Hand der Touristen. Im Internet finden sich Beschreibungen wie „Wohnmobil an Wohnmobil“, überfüllte Zeltplätze, überall Campervans am Straßenrand usw. Aber nicht in diesem Jahr. So schlimm wie Corona für Betroffene und alle anderen ist, Norwegen ist 2020 angenehm leer. Wir hatten wildcampen erwogen, aber der Blick von oben auf den Campingplatz am Lysefjord zeigt uns einen leuchtendgrünen und fast leeren Platz. Also fahren wir die 27 Kehren an diesem Tag nur hinab und nicht wieder hinauf. Puh. Siebenundzwanzig enge Kehren mit dem Motorrad sind ganz schön Arbeit. Und der Weg ist so steil, dass er am Ende in einem 1100 Meter langen Tunnel endet, da die Kehrentechnik die Höhe sonst nicht bewältigen kann. Der schöne Platz unten mit Blick auf den Fjord und gutem WLAN lässt uns die Anstrengung des Tages schnell vergessen.

A propos Anstrengung: wir haben festgestellt, dass uns Tagesetappen von 200 bis 250 Kilometern gut taugen. Wir müssen morgens keinen Wecker stellen, können entspannt warten, bis das Zelt halbwegs trocken ist, und fahren dann los. Je nach Strecke schauen wir uns unterwegs etwas an, machen irgendwo am Straßenrand Mittagspause und kommen auch nicht zu fertig abends am Zielort an. So macht Reisen Spaß.

Kristallklares Wasser überall
Kristallklares Wasser überall

Wanderung zum Preikestolen

Am nächsten Tag fahren wir die schöne Straße wieder zurück, machen einen großen Bogen Richtung Süden und landen am Ende wieder am selben Fjord wie am Tag vorher, nur auf der Nordseite – wir wollen den berühmten Preikestolen erklimmen. Die norwegische Website sagt dazu: „Das Wandern zur Kanzel ist von moderater Schwierigkeit. Die Rundtour von 8 Kilometern dauert etwa 4-5 Stunden. Der Pfad führt durch unterschiedliche Landschaften, wie Wald, Moor und über Steintreppen, die von Sherpas aus Nepal gebaut wurden.“

Von der Info zu den Sherpas waren wir anscheinend so begeistert, dass wir den wichtigsten Satz nicht mehr lasen: „Die meisten Besucher finden die Wanderung anstrengend.“ Und es war wirklich anstrengend. Es war heiß. Es war steil. Und die Treppenstufen aus groben Steinen waren so hoch, dass es für mich oft mehr Klettern als Stufensteigen war. Aber oben angekommen war die Anstrengung schnell vergessen. Der Predigerfelsen ist es wirklich wert. Der Blick auf den Lysefjord ist schön und es ist auch nicht so überfüllt wie befürchtet. Insgesamt haben wir den Tag sehr genossen und können diese Wanderung nur weiterempfehlen. Auch der Muskelkater am nächsten Tag hält sich überraschenderweise in Grenzen.

Oben auf dem Preikestolen
Oben auf dem Preikestolen

Brygge: Tolles Hafenviertel in Bergen

Nach einer Übernachtung auf einem Campingplatz am Hardangerfjord sind wir endlich mal wieder in einer größeren Stadt: wir haben zwei freie Tage in Bergen. Wir bummeln durch die Gassen, besichtigen den Hafen und das angrenzende Brygge: das Hanseviertel, in dem früher die Kaufleute wohnten. Die alten Holzhäuser begeistern uns, der Hafen weniger. Zu viel Show. Auf den meisten Jachten sitzen die Menschen mit Cocktails in der Hand auf dem Präsentierteller, wir haben den Platz der High Society entdeckt und finden ihn eher abstoßend.

Dann doch lieber mit der Floybanen hoch auf die Gipfel oberhalb von Bergen: die Bahn braucht nur ein paar Minuten und bietet einen schönen Blick auf Bergen von oben. Wir wandern durch den Wald, finden viele Holzstatuen von Trollen und sogar die Tubakuba, von der wir im Vorfeld schon gelesen hatten, die wir dann aber wieder vergaßen: Die Tubakuba ist eine von Architekturstudenten errichtete kleine Hütte mit einer Öffnung wie bei einer Tuba. Sie kann von Familien mit Kindern kostenfrei für je eine Nacht gemietet werden kann, um den Kindern Natur nahezubringen. Schöne Idee – schöne Umsetzung.

Der wunderschöne Sognefjord

Der mit Abstand schönste Fjord bislang ist der Sognefjord, den wir nach einer Tagesetappe von Bergen aus erreichen. Hierbei handelt es sich um den längsten und tiefsten Fjord Europas, wegen des Schmelzwassers des Gletschers schimmert das Wasser türkisfarben und leicht milchig. Wir können uns gar nicht satt sehen. Wir fahren fast den ganzen Tag an irgendwelchen Seitenarmen des Fjords entlang, abends haben wir einen Campingplatz mit perfektem Fjordblick. Das warme und sonnige Wetter verleitet uns dazu, Bikini bzw. Badehose anzuziehen und vor dem Abendessen noch kurz ins Wasser zu springen. Himmel, ist das kalt. Der See muss gestern erst aufgetaut sein. Nach ein paar Schwimmzügen aber fühlt sich das Wasser schon viel wärmer an und wir genießen das kristallklare Wasser.

Später am Abend entzünden wir unseren Gaskocher, es gibt Regenbogenforelle mit Gemüse, eigenhändig aus der Kühltruhe des lokalen Supermarkts geangelt. Auf unseren bequemen Helinoxstühlen, mit einem Glas Wein in den Händen und dem genialen Blick über den Fjord beschließen wir den Abend.

Mücken: ein eher unangenehmes Thema

Noch ein bisschen was zum Thema Mücken: Norwegen gilt ja als mückenreich, jeder Reiseführer empfiehlt, ein Repellent dabei zu haben. Haben wir natürlich auch, aber wir nutzen es seltener als befürchtet. Wir sind zwar im August da, also zur Haupt-Mücken-Zeit, schaffen es oft aber, ein bisschen Wind ums Zelt zu haben, so dass sich die Mückenplage in Grenzen hält. Ganz verhindern kann etwas Wind die Plage allerdings auch nicht. Fangen sie an, uns zu nerven, ziehen wir uns ins Zelt zurück.

Die Stabkirche in Urnes

Am nächsten Morgen verlassen wir den Sognefjord Richtung Norden. Unser Vormittagsziel ist die Stabkirche in Urnes.

Um dorthin zu gelangen verlassen wir die 55 und biegen auf einer schmalen, schön geschwungenen Serpentinenstraße Richtung Wasser bis zum Fähranleger. Als wir ankommen, ist die Schranke zum Schiff bereits zu und wir fluchen etwas, es gibt hier nämlich nur eine Fähre.

Der Bootsführer aber sieht uns, hebt die Schranke wieder an und lässt uns an Bord. Dummerweise dauert dieser Vorgang ein wenig, denn wir müssen rückwärts an Bord. Wolfgang dreht schon vor der Brücke und „läuft“ sein Bike dann rückwärts, ich beschließe, den kurzen Anstieg zu fahren und muss mit mehreren Zügen auf der Brücke wenden. Klar, dass alle zuschauen und ich mir besonders Mühe gebe, nicht allzu gestresst auszusehen. Rückwärts lasse ich die Honda an den richtigen Platz rollen, perfekt eingewiesen vom Bootsführer, der vor mir steht und per Handzeichen nach rechts und links dirigiert, bis ich richtig stehe. Puh. Dafür genießen wir die tolle Überfahrt um so mehr.

Die Fahrt mit dem Schiff dauert eine knappe Viertelstunde. Die Stabkirche selbst erreicht man nach einem fünfzehnminütigen Fußmarsch den Berg hoch, den wir elegant mit den Motorrädern meistern. Die Kirche von außen sowie der Friedhof sind auch ohne Ticket zu sehen, wir zahlen aber die ca. 10 Euro pro Person und nehmen dafür an der Führung teil. Die Kirche selbst ist beeindruckend. Ursprünglich im Jahr 1100 gebaut, wird sie als älteste Stabkirche der Welt bezeichnet. Das heute noch erhaltene Gebäude stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die Bezeichnung Stabkirche kommt von der Bauart: ein Tragwerk aus senkrecht stehenden Stämmen, den sogenannten Stäben, auf denen die gesamte Dachkonstruktion ruht. Wir hören, dass die Kirche alle fünf Jahre neu mit Teer gestrichen wird, um dem norwegischen Klima zu trotzen.

Für die Weiterfahrt bleiben wir auf der Fjordseite, auf der auch die Kirche liegt. Wohnmobilen wird von dieser Straße abgeraten, die sich tatsächlich als sehr klein und schmal erweist. Wie so oft in Norwegen erinnert sie uns an die schottischen „single trails“: schmale Straßen, gerade ausreichend für eine Fahrzeugbreite, und alle 50 bis 100 Meter eine Ausweichbucht. In Kombination mit der langsamen Fahrweise der Norweger klappt dieses Prinzip sehr gut.

Stabkirche in Urnes

Geirangerfjord und Trollstigen

Etwas später erreichen wir die beiden Highlights, die fast jeder Norwegenreisende sieht: Lotefossen, Geirangerfjord und Trollstigen.

Wenn man von Süden aus reist, dann ist der Geirangerfjord der erste Fjord, der richtig wild aussieht: eine tiefe Schlucht zwischen steil abfallenden Felsen, die schon von weitem sichtbar und entsprechend beeindruckend ist. Genau so haben wir uns die Fjorde Norwegens vorgestellt. Und Trollstigen ist eine Bergstraße, die sich an hohen Wasserfällen und vielen Schafen am Wegesrand vorbei ins Tal schraubt und mit dem Motorrad einfach nur Spaß macht. Die Norweger haben diese Schönheiten mit guter Infrastruktur versehen: Aussichtsplattformen an genau den richtigen Stellen kanalisieren den Verkehr, bieten aber auch tolle Fotomotive sowie sanitäre Einrichtungen und Restaurants.

Lotefossen-Zwillingswasserfall
Der Zwillingswasserfall Lotefossen

Zu Recht hochgelobt: die Atlantikstraße

Ein weiteres Highlight Südnorwegens erreichen wir am Folgetag: die Atlantikstraße. Dabei handelt es sich um eine acht Kilometer lange Küstenstraße, die quer über mehrere kleine Inseln hinweg und über acht Brücken verläuft. Besonders spektakulär sehen die Bilder im Internet aus, die mit einer Drohne gemacht sind, aber schon das einfache Befahren der Straße löst bei mir einen Adrenalinschub aus. Die Brücken sind recht hoch, etwas steil und ich habe besonders bei der Storseisundbrücke das Gefühl, eine Abschussrampe nach oben zu fahren. Natürlich sieht die Straße am obersten Punkt wieder normal aus, aber Spaß macht es trotzdem.

Die Straße gefällt uns so gut, dass wir am nächsten Morgen die 20 Kilometer von unserem Campingplatz zur Brücke zurückfahren, um das Erlebnis noch einmal zu genießen. Es ist ein bisschen wie fliegen. Norwegen ist einfach wunderbar.

Die Storseisundbrücke – ein Teil der Atlantikstraße

Soweit für heute. Unsere Zeit in Norwegen ist zu lang, als dass sie in einen einzigen Artikel passen würde. Teil zwei und drei folgen. Seid gespannt, wie es uns in Trondheim erging und ob wir es am Ende noch geschafft haben, Elche zu sehen…

Lust, mehr Bilder zu sehen. Dann ruf unsere Bildergalerie Norwegen auf!

Und falls Du an den Folgeberichten über Norwegen Interesse hast: hier sind die alle vier Links:

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2 Gedanken zu „Der Süden Norwegens – faszinierende Landschaften

  • 7. September 2020 um 13:01
    Permalink

    Hei!
    Sehr schön, wieder einen Reisebericht von euch zu lesen.
    …was soll ich sagen – Ihr wärt die ersten, die dem Zauber Norwegens nicht erliegen.

    P.S.
    Wollt ihr Reise- und Lebensberater werden? 🙂

    P.P.S.
    Jetzt muss ich weiter durch eure Bildergalderie schwelgen.

    Viel Spass von uns beiden
    M&M

    Antwort
    • 8. September 2020 um 6:43
      Permalink

      Hei Hei, wie die Norweger sagen 🙂
      Ja, wir sind total begeistert von diesem Land, merkt man, oder? 🙂
      Ein Tipp für das Schwelgen in Fotos:
      Blogposts sind zeitlich immer ein bisschen hintendran.
      Unter dem Button „Instagram-Bilder“ finden auch nicht-Instagram-Nutzer oft aktuelle Fotos.
      Liebe Grüße nach München,
      Daniela

      Antwort

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