In Griechenland. Leben im Lockdown

Wir sitzen in Griechenland. Ja. Immer noch. Und vermutlich auch noch eine ganze Zeit.

Vor über vier Wochen sind wir hier angekommen und haben das über AirBnB gemietete Apartment bezogen. Wir haben einen tollen Blick auf die Bucht, aber darüber hinaus haben wir zunächst nicht viel gesehen. Die ersten drei Wochen des Lockdowns haben wir brav ausgeharrt und sind nur für den Supermarktbesuch sowie einige Spaziergänge in der näheren Umgebung rausgekommene. Aber irgendwann ist uns fast die Decke auf den Kopf gefallen. So lange sind wir ja selten an einem Ort.

Die wunderschöne Bucht von Pylos

Also haben wir angefangen, unseren Radius ein wenig auszudehnen. Wir haben die Motorräder genommen, die tatsächlich in der Garage schon Spinnweben angesetzt haben, und sind zum nahegelegenen Strand gefahren. Nahe bedeutet dabei ungefähr zehn Kilometer. Die Bucht von Navarino, an der Pylos liegt, gehört zu den schönsten der Peloponnes. Über mehrere Kilometer erstreckt sich der Sandstrand und das Wasser ist tiefblau. Wir parken die Motorräder, ziehen die Schuhe aus und genießen den warmen Sand unter den Füßen. Vorsichtig stecken wir den ersten Zeh ins Wasser: Kühl, aber sehr angenehm. Also wandern wir den Strand bis zum Ende und zurück. Herrlich! Immer wieder bleiben wir stehen, gehen ein paar Schritte tiefer ins Wasser und genießen die Abkühlung. Anfang Dezember herrschen knapp über 20 Grad Lufttemperatur, das Wasser ist zwar kälter, aber in der geschützten Bucht bestimmt wärmer als anderswo. Wir haben zum Glück unser Schwimmsachen dabei und hüpfen ins Wasser. OK, wir fluchen angemessen, bei Reingehen sind ja die meisten Meere erst mal kalt. Aber es ist viiiiel wärmer als vor ein paar Wochen im norwegischen Fjord – und so plantschen wir eine Zeit lang herum und erfreuen uns am wellenförmigen Sand unter unseren Füßen.

Pylos Bay
Die Bucht von Pylos – Perfekter Sandstrand

Wir sind nicht allein am Strand. Über die Länge von ca. zwei Kilometern verteilt steht ein knappes Dutzend Wohnmobile, die meisten mit deutschen oder französischen Kennzeichen. Wir kommen mit Annamaria ins Gespräch, einer Griechin, die uns ansprach und es offensichtlich genoss, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden. Sie hat uns darin bestätigt, dass es auch während des Lockdowns völlig in Ordnung ist, sich innerhalb derselben Gemeinde draußen zu bewegen. Zumindest hier draußen in der Natur ist die Ansteckungsgefahr ja eher gering. Und es tut so gut, mal wieder Bewegung zu bekommen. Und Strand und Wasser machen einfach glücklich.

In der Folgewoche regnet es fast jeden Tag, es ist kalt und grau. An Strand ist kaum zu denken. Dafür bekommen wir Kaffeebesuch. Lange haben wir überlegt, ob es angemessen ist, dann haben wir uns dafür entschieden und verbringen einen wunderschönen Nachmittag mit Barbara und Robert. Kaffee und frisch gebackenes Bananenbrot auf der Dachterrasse mit Blick auf die Bucht. Das Leben ist schön.

Regenbogen über Voidokilia

Diese Woche haben wir es auch noch hinbekommen, auf die alte Festung am Rande der Bucht hinaufzusteigen. Die Ruine heißt Paläokastro – im Gegensatz zum Neokastro unten in der Stadt – und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Viel ist vom Gemäuer nicht übriggeblieben, und so klettern wir über Felsenansammlungen und durch dichtes Gebüsch. Beim Anstieg regnet es ein bisschen, aber der Blick von oben ist atemberaubend und entschädigt für alles. Die Ochsenbauchbucht (Voidokilia) am Fuße des Bergs sieht von oben wie der griechische Buchstabe Omega aus und ist einfach herrlich anzusehen. Auf Bildern bei google oder Instagram ist die Bucht leuchtend türkis, aufgrund des tagelangen Regens sehen wir sie in schlammigem Braun, was aber in Kombination mit den dramatischen Wolken und einem Regenbogen einen faszinierenden Anblick bietet. Wir können uns gar nicht satt sehen. Mal sehen, ob wir den Aufstieg später noch mal bei besserem Wetter hinkriegen. Die Aussicht auf türkisfarbenes Wasser reizt mich ja schon.

Voidokilia
Voidokilia-Bucht, auch Ochsenbauchbucht genannt

Aktuell planen wir die nächsten Wochen. Griechenland hat den Lockdown erneut verlängert, mindestens bis zum 7. Januar. Da wir den Blick auf die Bucht mittlerweile lange genug gesehen haben, überlegen wir, weiterzuziehen. Vielleicht kommt der nächste Blogpost aus Kalamata.

2 Gedanken zu „In Griechenland. Leben im Lockdown

  • 26. Dezember 2020 um 5:55
    Permalink

    Hallo ihr zwei Lieben,
    wir wünschen Euch auf diesen Weg ein frohes Fest und guten Rutsch.
    2021 wir besser und all unsere Pläne gehen in die Verwirklichung.

    Liebe Grüße Peter und Claudia

    Antwort
    • 28. Dezember 2020 um 19:06
      Permalink

      Lieber Pit, liebe Claudia,
      Ganz vielen Dank für Eure lieben Grüße.
      Wir denken gerne zurück an unsere gemeinsame Zeit im Frühjahr.
      Bin schon gespannt, mehr über Eure Pläne für 2021 zu erfahren und rate mal ins Blaue:
      Wir werden Dachzelt-Stories zu hören bekommen. 🙂
      Liebe Grüße aus dem Lockdown in Griechenland
      Daniela & Wolfgang

      Antwort

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