Wir sind total geflasht. Das hatten wir von einem südamerikanischen Land nicht erwartet. Auch wenn uns klar war, dass Chile das modernste Land hier ist: alles ist sooo organisiert.
Schon vor dem verspäteten Abflug in Asuncion werden wir mit Kaffee und Sandwiches aus dem Flughafen-Coffeeshop versorgt. Dafür stehen Mitarbeiter der Fluggesellschaft im Coffeeshop und gleichen unsere Namen anhand der Passagierliste ab. Wir stehen drauf, also dürfen wir bestellen. Gut für uns, haben wir doch unsere restlichen Guarani bereits verschenkt.
Auf dem Flug gibt es erneut leckeres Essen (wie immer hier mit Quinoa), dazu einen atemberaubenden Blick auf die verschneiten Anden.
Die größte Überraschung aber gibt es für uns nach der Landung.

Einreiseformalitäten

Schon im Vorfeld mussten wir diverse Dokumente einreichen, die geprüft und genehmigt wurden: Impfnachweis, Einreiseantrag, PCR-Test (aus Paraguay, da max. 72 Stunden alt), Gesundheitserklärung, Zollerklärung. Zum Glück versorgt uns die Webseite von RuppertBrasil immer mit aktuellen Reiseinformationen.
Wir hatten uns auf ein langwieriges Prozedere am Flughafen eingestellt.
Weit gefehlt. Es dauerte genau 29 Minuten, bis wir durch „migraciones“ durch waren und am Taxischalter standen.
Die Chilenen hatten in der Ankunftshalle 50 kleine Tische aufgestellt, die Passagiere werden auf diese Tische verteilt. Anhand der Passnummern kann die Mitarbeiterin sämtliche Dokumente über uns einsehen, hat nur noch ein paar Fragen und schickt uns dann weiter zum PCR-Test. Aufgrund der Aufkleber an unseren Jacken weisen andere Mitarbeiter uns den richtigen Weg zum Testlabor. Nach dem Test erhalten wir Zettel mit einer Nummer, so dass wir die Ergebnisse später online abrufen konnten.
Praktisch nirgendwo gibt es Wartezeiten.
Unsere Taschen stehen schon am Gepäckband. Beide ordentlich nebeneinander (OK, sie sind identisch und auch beide mit dem gleichen orangefarbenen Kräuselband markiert). Kurz noch die Taschen durch den Scanner geschoben und schon sind wir draußen und kommen eine knappe halbe Stunde später im Hostel an.
Ein bisschen geschafft, aber vor allem sehr fasziniert von diesem Land.

Willkommensschild
Welcome to Chile

Quarantäne und Krankenhaus-Chaos in Santiago

Fünf Tage lang müssen wir in Quarantäne. Das Motorradhostel von Cristian, Hostal Casa Matte, ist mit seiner tollen Dachterrasse dafür der perfekte Ort.
Cristian kümmert sich super um uns. Wir bestellen Lebensmittel und Mahlzeiten per App, nutzen die Küche und genießen ansonsten die Dachterrasse. Die Zeit verfliegt rasch.
Am letzten Tag ruft Cristian auf unsere Bitte hin im Krankenhaus RedSalud an. Wir brauchen einen Antikörpertest, um unsere temporäre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Leider benötigen wir dafür einen Arzttermin, damit dieser einen Auftrag für den Test erstellt.
Hier beginnt jetzt das Chaos. Obwohl Cristian bei der Terminanfrage unsere Namen, Geburtsdaten und Passnummern angegeben hat, sind wir im Computer nicht zu finden. Alles startet von vorne. Kaum jemand spricht englisch. Ich kann zwar ein paar Sätze auf Spanisch sagen, allerdings verstehe ich meist nicht, was geantwortet wird. Wir müssen dauernd wieder erklären, warum wir diesen Test brauchen. Zwischendrin stellt sich noch heraus, dass genau der benötigte Test in einem anderen Krankenhaus gemacht werden muss. Wir wechseln also den Standort und fangen wieder mit Erklärungen an. Mit Google Translator klappt es am Ende, aber wir sind ziemlich entnervt.
Zum Glück können wir die Ergebnisse online abrufen, müssen also nicht nochmal hin.

treppenhaus
Motivationssprüche im Treppenhaus – im Krankenhaus.

Valparaiso – la perla del pacifico

Wir laufen durch Valparaiso. Es ist heiß und hell und ein bisschen chaotisch.
Valparaiso verteilt sich auf 42 cerros (Hügel), es gibt 16 ascensores (Aufzüge), ansonsten nutzt man eine der zahlreichen escaleras (Treppen), um die Stadt zu erkunden. Wir nutzen den „ascensor El Peral“ für umgerechnet 11 Eurocent und schauen uns Stadt und Hafen von oben an. Viele kleine und bunte Häuschen ziehen sich über die Hügel, auch zahlreiche Wellblechhütten. Kabelgewirr hängt an Holzmasten, um die einzelnen Gebäude mit Elektrizität zu versorgen. Valparaiso wirkt leicht verfallen, eine in die Jahre gekommene Stadt, die Künstler und Boheme anzieht.
Unübersehbar sind die vielen Wandkunstwerke. Ich scheue mich, das Wort „Graffiti“ zu benutzen, dies wird ja im deutschsprachigen Raum eher mit Vandalismus gleichgesetzt. Hier in Valparaiso stehen oft sogar die Instagram-Accounts der Künstler wie eine Signatur am Rande der Bilder. Wir schlendern von Kunstwerk zu Kunstwerk und sind hingerissen.
Irgendwann werden wir müde und hungrig und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant: Hier am Pazifik gibt es wunderbare Ceviche.

Graffiti
Straßenkunst in Valparaiso

Endlich wieder motorisiert

Langsam macht sich Unruhe in uns breit: Wir wollen wieder Motorrad fahren. Also müssen wir unsere Motorräder aus dem Zoll befreien. Zum Glück hilft uns Ronny, ein Partner unseres Spediteurs. Er holt uns in Valparaiso mit dem Auto ab und wir fahren nach San Antonio ins Zoll-Lager.
Alles verläuft schnell und unproblematisch. Ronny lebt seit 20 Jahren in Chile, spricht fließend Spanisch und kennt Hafengeschehen und Leute dort in- und auswendig. Nach nicht einmal zwei Stunden rollen wir durch das Ausgangstor.
Die knapp 100 Kilometer zurück nach Valparaiso genießen wir sehr: kleine Küstenstraßen, wenig Verkehr, viel zu beobachten. Zwischendurch halten wir am Strand von Mirasol. Wir bestellen Fish and Chips sowie Ceviche und schauen auf das tiefblaue Wasser. Chile gefällt uns bereits jetzt ausgesprochen gut.

Ceviche ist übrigens roher, marinierter Fisch. Eine köstliche Spezialität Südamerikas, die uns schon in Costa Rica geschmeckt hat.

Peikane
Pelikane über dem Pazifik

Heute genießen wir noch den Luxus unseres AirBnBs mit dem fantastischen Ausblick.

Für die nächsten Nächte haben wir Mehrbettzimmer im Hostel in Pichilemu gebucht.

Schreibtisch+Meerblick
Arbeitsplatz mit Aussicht

Mehr Fotos findest du in unserer kontinuierlich wachsenden Bildergalerie Chile.

2 Gedanken zu „Erste Eindrücke von Chile

  • Wow, wie ich Euch darum beneide, das erinnert mich gerade an unsere traumhafte Reise durch Chile und Argentinien bis Ushuaia kurz bevor Corona los ging! Genießt den Trip!

    Antwort
    • Guten Morgen, Eike,
      Ja, ich glaube gerne, dass das ein toller Trip war.
      Ähnliches hatten wir ja auch geplant, allerdings sind im Augenblick die Landesgrenzen hier noch alle geschlossen.
      Mal sehen wie die Reise aussieht, wenn wir ausschließlich auf chilenischer Seite bis in den Süden reisen.
      Auf jeden Fall sind viele Fähren dabei.
      Liebe Grüße aus Valparaiso
      Daniela

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.